Foxtrail

Oberhalb der Baumgrenze mit Jacopo Bufacchi

In den Bergen spürt man bereits nach kurzer Zeit Faszination und Demut. In irgendeiner Weise verändern dich die Berge. Das weiß auch Jacopo Bufacchi nur zu gut. Seine Liebe zu den Bergen führte nicht nur dazu, dass er hohe Berge erklommen hat, sondern diese Liebe auch mit anderen teilen möchte.

People | Lesedauer 8 Minuten

Berge gehörten schon immer zum Leben des Bergführers Jacopo Bufacchi. Dort sind seine Träume in Erfüllung gegangen. Dort hat er sich als Mensch weiterentwickelt und viel über sich selbst erfahren. Durch seine Arbeit sind die Berge auch der Ort, an dem er anderen dabei geholfen hat, ihre Träume zu verwirklichen und an Herausforderungen zu wachsen. Nicht nur als Kletterer, sondern auch als Mensch.

Für den Laien hört es sich vielleicht beängstigend und risikoreich an, sich für den Beruf des Bergführers zu entscheiden. Du musst beispielsweise darauf vertrauen, dass dein oft unerfahrener Kunde am anderen Ende des Seils während einer gefährlichen Überschreitung nicht abrutscht. Und dass er sich auch nach 24 Stunden Klettern ohne Schlaf noch auf seine Aufgabe konzentrieren kann, dich zu sichern.

Das Kind, das kletterte

Zum Beruf des Bergführers gehört auch ein hohes Maß an Risikomanagement. Erfolgreiches Risikomanagement bedeutet, dass mehr Menschen ihre Träume wahr werden lassen können. Für den Italiener Jacopo Bufacchi stand schon als Kind fest, dass er Bergführer werden wollte. Geboren und aufgewachsen ist er im Aosta-Tal im Nordwesten Italiens; sein Vater war Skilehrer und Mitglied der Bergrettung und die Berge waren seit seiner Geburt Teil seines Lebens. Als er gerade einmal 13 Jahre alt war, bestieg Jacopo gemeinsam mit seinem Vater seinen ersten 4.000er. Es war der Dent du Géant, ein legendärer Granitzahn im Mont Blanc-Gebirge, der sich auf der Grenze zwischen Courmayeur in Italien und Chamonix in Frankreich geradewegs in den Himmel erstreckt.

„Diese Erfahrung hat mir enormen Auftrieb gegeben. Und ich war so stolz! Das war der Augenblick, in dem ich entschied, dass ich Bergführer werden wollte“, erinnert sich Jacopo.

Der Weg zum Bergführer

Das war der Beginn vieler intensiver Jahre, die er mit Klettern und Vorbereitungen zubrachte. Schon allein für die Anmeldung zum Bergführerlehrgang musste er viele durchgeführte Besteigungen vorweisen, die sowohl im Sommer als auch im Winter stattfanden - mit und ohne Skier.

„Ich kletterte und kletterte. Und wir machten viele Fehler, meine Kletterfreunde und ich“, erzählt Jacopo mit einem Lachen. „Wir haben ein paar ziemlich verrückte Sachen gemacht! Aber wir haben dabei viel über uns selbst gelernt: Verantwortung zu übernehmen, auf andere Leute zu achten und ihnen zu vertrauen. Und uns auf Herausforderungen einzulassen.“

Jacopo Bufacchi, Mitglied der Swedish Mountain Guide Association und des Testteams von Fjällräven, hatte keine Wahl - als er gerade einmal 13 Jahre alt war, wurden die Berge ein Teil von ihm.

Jacopo Bufacchii
Mitglied der Swedish Mountain Guide Association und des Testteams von Fjällräven.

„Das Mindestalter für einen Bergführerlehrgang ist 18 Jahre. Jacopos Geburtstag ist der letzte Tag des Jahres, also ergriff er die Chance und meldete sich mit 17 Jahren an. Er war erfolgreich und wurde zum Aosta Valley Guide Course UVGAM zugelassen. Mit 20 Jahren bewarb er sich beim Aosta Rescue Team, das zuständig ist für das Matterhorn, den Monte Rosa und den Mont Blanc. Dadurch konnte er wertvolle Erfahrungen sammeln auf seinem Weg zum Bergführer. Es war ein schwieriger Lehrgang; Jacopo war jünger als die anderen Teilnehmer und musste sich sehr anstrengen. Am letztenPrüfungstag erstiegen sie die Nordwand des Piz Badile, eines Berges im Osten der Schweiz an der Grenze zu Italien. Es war ein schwieriger Aufstieg – so schwierig, dass die Teilnehmer sauer waren auf ihre Ausbilder. Als sie am Abend die Berghütte erreichten, spendierte Hüttenleiter Bruno allen einen Grappa.

Stolz und Erfahrung

„Es ist egal, ob ihr den Lehrgang bestanden habt oder nicht, ihr könnt alle wirklich stolz auf euch sein“, begrüßte Bruno sie. Und dann konnte die Party starten! Jacopo bestand im zarten Alter von 23 Jahren den Lehrgang – er war damit der jüngste Absolvent aller Zeiten. Später wurde er selbst Ausbilder bei der italienischen Bergrettung. Seine Leidenschaft für die Berge führte zu einer Laufbahn, die ihn in schwindelerregende Höhen brachte. Neben seinem Bergführerjob in den Alpen nahm Jacopo an ca. 30 Expeditionen im Himalaya und in Südamerika teil. Besonders Peru hatte es ihm angetan, nachdem er dort in seinen Ferien ehrenamtlich junge Leute zu Bergführern ausgebildet hatte, um ihnen die Chance zu geben, für sich selbst zu sorgen und der Armut zu entkommen. Er war an der Gründung des ersten Bergrettungsteams in Bolivien beteiligt, das nach denselben Standards arbeitet wie die Bergrettung in Europa. „Ich bin extrem stolz auf alles, was ich erreicht habe“, erzählt Jacopo nachdenklich. Während dieser Zeit traf er ein schwedisches Mädchen, in das er sich verliebte. Anfangs lebte das Paar in Courmayeur. Jenny begleitete Jacopo auf mehreren seiner Bergführungen, was die perfekte Lösung war, da Jacopo so oft nicht zu Hause war. Aber all das änderte sich, als die beiden Kinder bekamen – Jacopo hatte das Gefühl, dass er auf eine Art und Weise gebraucht wurde, die er zuvor noch nicht gekannt hatte und dieses Gefühl wurde immer stärker.

„Als einer meiner besten Freunde, der eine Tochter hatte, die genauso alt war wie meine, in den Bergen starb, musste ich wirklich innehalten und nachdenken. Das wird langfristig nicht funktionieren, dachte ich mir. Also zogen wir nach Stockholm und hier leben wir noch heute.“

Ein ausgewogenes Verhältnis im Leben

Jacopos größte Angst ist, dass die Berge für ihn zur Routine werden. Aber mit dem Gleichgewicht, das er jetzt zwischen seinem Job bei Recco in Stockholm und seinen Bergführerreisen in der Welt gefunden hat, ist jeder Tag in den Bergen reine Freude. Der Wunsch, besser zu werden und sich als Bergführer weiterzuentwickeln, ist stark. Dafür fordert er sich ständig immer wieder selbst heraus mit neuen Produkten und neuen Reisen.

Jacopo sieht die Gefahr, die entsteht, wenn er immer wieder dieselben Besteigungen durchführt. Sobald etwas zur Routine wird, wird die Gefahr größer. Kunden zu finden, zu denen er eine langfristige Beziehung aufbauen kann, ist wichtig. Kunden, mit denen er gerne arbeitet und denen er trauen kann. Er hat kein Problem damit, Kunden abzulehnen, wenn sie eine falsche Einstellung haben. „Ihr Leben liegt in meinen Händen. Und wenn wir Pech haben, liegt auch mein Leben in ihren Händen. Wenn Kunden immer wiederkommen, bin ich dafür sehr dankbar. Wenn meine Kunden mir vollkommen vertrauen, wenn sie meine Entscheidungen nicht infrage stellen, dann bin ich glücklich. Es ist großartig, wenn Kunden regelmäßig zurückkommen, zu denen ich eine Beziehung aufgebaut habe.“

Langfristige Beziehungen

Über die Jahre sind starke Beziehungen entstanden. Ein Beispiel ist Barbara, die inzwischen 74 ist und Patin seiner Kinder.

„Sie ist unglaublich. Die Liste der Berge, die sie bestiegen hat und auf denen sie Ski gefahren ist, ist beeindruckend. Eine besondere Erinnerung an Barbara habe ich von unserer Skiabfahrt durch das Whymper Couloir vom Aiguille Verte im Mont Blanc-Gebirge (Anm.d. Redaktion: eine steile und ungeschützte Klamm, 4.000 Meter über dem Meeresspiegel mit einer 50-Grad-Piste). Die Bedingungen waren nicht perfekt. Als ich mich umdrehte, um ihr zu sagen, dass sie vorsichtig sein soll, hatte sie sich am Rand der steilen Klamm niedergelassen, ihre Skistöcke zwischen ihren Knien, und richtete sich das Haar, als wäre sie kurz davor, eine grüne Piste hinunterzufahren.

Die besten Momente als Bergführer sind die, in denen du deinen Kunden hilfst, ihre Träume zu verwirklichen

Jacopo Bufacchii
Mitglied der Swedish Mountain Guide Association und des Testteams von Fjällräven

Für Jacopo sind die besten Augenblicke als Bergführer die, in denen er seinen Kunden dabei hilft, ihre Träume zu verwirklichen. Wenn er ihre Glückstränen sieht, macht ihn das auch glücklich.Das Schwierigste am Leben als Bergführer ist, wenn Freunde und Kollegen in den Bergen sterben – wenn etwas passiert aufgrund äußerer Umstände, nicht aufgrund menschlicher Fehler. Steinschläge beispielsweise. Die Berge der Alpen haben sich in den letzten Jahren aufgrund des Klimawandels extrem verändert. Es kommtimmer häufiger zu Steinschlägen.

Die Lebensschule der Berge

Wenn er gefragt wird, welche Träume er sich noch erfüllen möchte, muss er nicht lange nachdenken: „Meine Liebe zu den Bergen an meine Töchter weitergeben - darauf freue ich mich wirklich. Das ist momentan mein größter Traum. Das Leben in den Bergen ist die beste Schule für ein Kind.”

Jacopo erzählt, dass sie darüber nachdenken, von Tyresö nach Värmdö in Stockholm umzuziehen. Seine älteste Tochter möchte das allerdings nicht. Sie kann sichjedoch durchaus vorstellen, von Tyresö nach Courmayeur umzuziehen. Es scheint so, als sei die Liebe zu den Bergen bereits an die nächste Generation der Bufacchis weitergegeben worden.

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