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Die Natur wartet auf dich

Die Natur ist gut für uns alle - physisch, mental und sozial. Sie ist da und wartet auf uns.

Natur | Lesedauer 11 Minuten

D​ein Puls wird ruhiger. Dein Atemrhythmus verlangsamt sich. Du weißt nicht mehr, was auf deiner To-Do-Liste steht und auch das letzte Meeting gerät in Vergessenheit. Du lächelst. Noch vor 10 Minuten warst du gestresst. Jetzt bist du glücklich. Du bist in der Natur. Sie muss nicht am anderen Ende der Welt oder eine Tagesfahrt entfernt liegen. Es kann eine Baumallee auf dem Heimweg von der Arbeit sein, der Park neben der Schule deiner Kinder oder ein Naturschutzgebiet vor den Toren der Stadt. Es tut gut, Zeit in der Natur zu verbringen und es ist keine Herkulesaufgabe dies umzusetzen.

Seit es die ersten Naturschutzgebiete und Stadtparks gibt und seit sich vielbeschäftigte Aristokraten aufs Land zurückgezogen haben, um „frische Luft zu atmen“, wissen wir um die gesundheitlichen Vorteile Bescheid, die die Zeit in der Natur uns beschert. Im Jahr 1865 schrieb der berühmte Landschaftsarchitekt Frederick Law Olmsted – der Architekt des Central Parks in New York – Folgendes:

Es ist eine wissenschaftliche Tatsache, dass die gelegentliche Betrachtung einer beeindruckenden Naturlandschaft der Gesundheit und Vitalität des Menschen überaus zuträglich ist, insbesondere aber der Gesundheit und Vitalität des Geistes.

Seiner gegenteiligen Behauptung zum Trotz gab es zu dieser Zeit gar keine „wissenschaftlichen Fakten“, welche die positiven Auswirkungen der Natur auf die Gesundheit des Menschen hätten erklären können (es handelte sich vielmehr um ein allgemeines Gefühl oder um eine Art angeborenes Wissen). Heute, mehr als 150 Jahre später, liegen uns diese Erkenntnisse vor. Weltweite Studien – durchgeführt in Japan, Finnland, in den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich – haben die positiven Auswirkungen der Natur in vielfältiger Weise nachgewiesen und bestätigt. Dieser positive Effekt reicht von der physischen, über die mentale bis hin zur gesellschaftlichen Gesundheit. Die Ursachen sind nicht vollständig bekannt, doch der Zusammenhang zwischen menschlicher Gesundheit sowie menschlichem Wohlbefinden und der in der Natur verbrachten Zeit ist auffällig.

Die Natur ist gut für unseren Körper

Wenn wir heute an die Natur denken, geht es nicht mehr nur darum, sich in der Natur ​aufzuhalten. Für gewöhnlich wollen wir dort etwas erleben. Daher ist es wenig überraschend, dass Menschen mit Zugang zur Natur – sei es ein Park in der Stadt oder ländliche Wanderwege – viel seltener an Fettleibigkeit und Übergewicht leiden. Doch laut einer Studie des Institute for European Environmental Policy (IEEP) gehen die Vorteile weit über ein schlankeres Erscheinungsbild hinaus. Die Studie führt verschiedene Ergebnisse an, wie einen verringerten Blutdruck bei schwangeren Frauen, ein um 16% geringeres Sterberisiko bei Menschen, die in weniger bebauten Gebieten in der Nähe der Natur leben und ein höheres Geburtsgewicht und einen größeren Kopfumfang bei Neugeborenen aus naturnahen Gegenden.

Und für unseren Geist

Während die physischen Vorteile messbar und unmittelbar ersichtlich sind, sind die psychischen Vorteile differenzierter und auf den ersten Blick weniger erkennbar. Seit dem 19. Jahrhundert glauben Ärzte an die heilende Kraft der Natur. Damals war es in Arztkreisen üblich und sozusagen in Mode, eine Woche Frischluft in den Schweizer Alpen, an der Küste von Dorset oder dem ländlichen New England zu verordnen. Heutzutage würde das wohl kein Arzt mehr so verschreiben. Allerdings empfehlen auch die Mediziner von Heute ihren Patienten, mehr Zeit im Freien zu verbringen. Die britische Wohltätigkeitsorganisation „Mind“ verwendet seit mehreren Jahren die Ökotherapie zur Verbesserung der geistigen Gesundheit ihrer Patienten. In diesem Verfahren verbringen die Patienten Zeit in der Natur, um sich mit ihr zu „verbinden“ – meist in Form kontrollierter Gruppensitzungen in Kombination mit einer Verhaltenstherapie. Die Aktivitäten reichen von Naturschutzprojekten bis hin zu einfachen gemeinsamen Spaziergängen durch die Natur mit Gesprächen über die Landschaft sowie die Flora und Fauna. Das Prinzip ähnelt dem japanischen „Waldbaden“ oder dem Wandern auf den „Gesundheitspfaden“ Finnlands. Patienten berichten regelmäßig von einer Abnahme depressiver Verstimmungen, von Angstzuständen, Wut und Stress-Symptomen sowie von einer Verbesserung des Selbstwertgefühls und der emotionalen Ausgeglichenheit. Das IEEP verweist außerdem auf eine vom Alnarp Rehabilitationszentrum in Südschweden durchgeführte Studie. Hier wurde eine naturbasierte Behandlung von Patienten getestet, die sich von stressbedingten psychischen Erkrankungen, einem Schlaganfall und Kriegsneurosen erholten. Nach nur einem Jahr Rehabilitation lagen die Ergebnisse auf der Hand: Es wurde eine Verbesserung des Wohlbefindens, vermindertes Stressempfinden und eine gesteigerte positive Einstellung festgestellt. Zudem gab es weitreichende Nebeneffekte: Die Kosten der Erstversorgung sanken um 28% und die Anzahl der Tage im Krankenhaus sank um 64%.

Es gibt sogar einen gesellschaftlichen Nutzen

Momentan werden verstärkt die weitreichenden gesellschaftlichen Vorteile untersucht. Und diese beschränken sich nicht allein auf eine Senkung der Behandlungs- und Gesundheitskosten. Laut Patrick Ten Brink, dem Direktor des Instituts für Europäische Umweltpolitik, trägt „das aktive Recht auf Zugang zur Natur zur Verbesserung der Gesundheit, der sozialen Integration und der Reduzierung eines sozialen und gesundheitlichen Ungleichgewichts“ bei. Die vom IEEP im Auftrag der Friends of the Earth Europe durchgeführte Studie zeigt, dass Zugang zur Natur und gemeinsam genutzten Grünanlagen zu einem besseren sozialen Zusammenhalt und weniger sozialen Spannungen führen kann. Er verleiht den Menschen einen gemeinsamen Sinn für Raum und Identität, was weit über rassistische, ethische und soziokulturelle Grenzen hinausgeht.

Wo ist der Haken?

All das klingt etwas utopisch: Die Antwort auf all unsere Probleme wartet draußen vor der Tür. Wir müssen nur rausgehen. Doch so einfach ist das nicht. Im Jahr 2050 werden 70% der Bevölkerung in Städten leben. Europa hat diesen Wert bereits überschritten: Schon für das Jahr 2020 wird vorausgesagt, dass 80% der Bevölkerung im urbanen Raum leben werden. Da naturbelassene Bereiche immer öfter dem Bau neuer Häuser weichen müssen, wird es zunehmend schwieriger, naturbelassene Räume in der Nähe zu finden. Angesichts der Tatsache, dass die Vorteile eines naturnahen Lebens nur dann zum Tragen kommen, wenn die Natur nicht weiter als 300 Meter entfernt liegt – bereits ab einer Entfernung von einem Kilometer gehen diese Vorteile merklich zurück – sehen sich Städteplaner vor eine enorme Herausforderung gestellt. Wie kann man einer wachsenden urbanen Bevölkerung die Natur einfacher zugänglich machen? Städte gehen bereits ineinander über. Unter dem Druck, so nah wie möglich an den Innenstädten zu bauen, nicht zuletzt auch, um Entfernungen für Pendler möglichst gering zu halten, entsteht eine Zwickmühle.

Edinburgh besitzt mit 49.2% die meisten Grünflächen aller Städte im Vereinigten Königreich.

Laut dem Geographen und Autor Dr. Klas Sandell ist die Lösung eine nachhaltige Entwicklung. Die Vereinten Nationen definieren dies als Entwicklung, welche „den Anforderungen der Gegenwart genügt, ohne die Anforderungen künftiger Generationen einzuschränken“. Um dies zu erreichen, muss die Gesellschaft die Entwicklung ganzheitlicher betrachten. „Wir müssen einen Weg finden, im Einklang mit der Natur zu leben und zu arbeiten,“ sagt Klas. „Der Naturschutz ist dabei nur der erste Schritt.“

Schweden sowie Norwegen und Finnland gehen mit sehr gutem Beispiel voran. Das Recht auf öffentlichen Zugang, auch bekannt als Jedermannsrecht – ​Allemansrätten auf Schwedisch – hat den Umgang der Schweden mit der Natur nachhaltig geprägt. „Hier wird die Natur nicht so sehr als ‚Wildnis‘​ wahrgenommen, weil sie nicht weit entfernt liegt. Es geht dabei mehr um die Erholung in der Natur und das Erleben einer Naturlandschaft,“ sagt Klas. „Es geht um Einfachheit hinsichtlich der Ausrüstung und der Aktivitäten – ein Spaziergang im Wald anstatt einer Expedition in die Wildnis. Und es geht um Entscheidungsfreiheit.“

Das Konzept der Einfachheit scheint sich auch in der Forschung widerzuspiegeln. Die Forschung zeigt, dass regelmäßige Ausflüge in die Natur – so kurz sie auch immer sein mögen – und das Wohnen in der Nähe von Grünanlagen langfristig gesehen die Gesundheit positiver beeinflussen als unregelmäßige Expeditionen in die Wildnis. Einige Städte in Europa haben bereits Strategien entwickelt, um zu gewährleisten, dass ihre Einwohner nicht weiter als 300 Meter von Grünanlagen entfernt wohnen. Oslo in Norwegen und Victoria-Gasteiz in Spanien sind zwei Beispiele. „Die Beweislage ist stichhaltig und zeigt, dass Menschen und Gemeinschaften nur dann aufblühen können, wenn sie Zugang zur Natur haben,“ erklärt Robbie Blake, Umweltschutzaktivist bei Friends of the Earth Europe. „Wir alle brauchen die Natur in unserem Leben. Sie schenkt uns Freiheit und ermöglicht uns ein gesundes Leben.“

Je mehr, desto besser

Wenn man sich einmal in die Natur verliebt hat, wird diese Liebe niemals enden. Im Gegenteil, sie wird immer stärker und mit ihr auch die Achtung vor der Natur. Die Forschung hat gezeigt, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen der in der Natur verbrachten Zeit und unserer Bereitschaft, die Natur zu schützen, gibt. Gleichzeitig steigt die Motivation, immer mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Eine einmonatige Studie, die im Vereinigten Königreich von den Wildlife Trusts und der Universität von Derby unter dem Titel „30 Days Wild“ durchgeführt wurde, hat ergeben, dass bei regelmäßigem Aufenthalt in der Natur 30% der Probanden nicht nur ihre Gesundheit als „ausgezeichnet“ beurteilten, sondern es zeigte sich auch, dass die Menschen sich stärker für den Schutz der Natur um sie herum engagierten. Sie wussten den positiven Effekt zu schätzen und waren daher bereit, die Umwelt zu schützen.

Die Balance finden

Doch hier kommt wieder die Zwickmühle ins Spiel. Wie gehen wir mit dem weltweiten Bevölkerungswachstum und dem Zuwachs in den Städten um, wenn wir alle mehr Zeit in der Natur verbringen und sie schützen möchten?

„Es geht um die richtige Balance,“ sagt Klas. „Wir wissen, dass eine nachhaltige Entwicklung nur dann stattfinden kann, wenn die Öffentlichkeit eine Änderung des Lebenswandels und des Konsumverhaltens akzeptiert. Wenn wir eine Mehrzwecknutzung bestimmter Bereiche erreichen, die für Waldarbeit, Infrastruktur, Landwirtschaft und für Siedlungen in Kombination mit Freizeiteinrichtungen, Umweltschutz und Ausbildung genutzt werden können, ist es realistisch, dass dies die Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung sein könnte. Das ist besser, als die Natur als etwas weit Entferntes zu verstehen, das man ab und zu aus ästhetischen Gründen oder für ein Abenteuer aufsucht – nicht aber als die notwendige Grundlage menschlichen Lebens ansieht.“

Was können wir also tun?

Wie oft gehst du nach draußen in die Natur? Täglich? Wöchentlich? In Finnland werden fünf Stunden Natur pro Woche empfohlen, gestaffelt in kurze, regelmäßige Aufenthalte. Dort haben Forscher herausgefunden, dass Veränderungen der Laune und der Aufmerksamkeit bereits nach 40 Minuten auftreten können. Bei der 30 Days Wild Challenge im Vereinigten Königreich geht es nicht allein um die Zeit, die man in der Natur verbringt, sondern darum, was man dort macht: die Rinde eines Baumes berühren, Bienen beobachten, die um den Bienenstock herumfliegen, mit den Füßen in einen See eintauchen, das Erlebnis mit anderen teilen. Deswegen werden bei der Ökotherapie von „Mind“ und entlang der finnischen Gesundheitspfade Menschen dazu ermutigt, mit der Natur in Kontakt zu treten und dabei das Beste für sich herauszuholen. Und kurze, aber dafür regelmäßige Ausflüge in die Natur steigern die Lust auf längere, tiefergehende und bereichernde Abenteuer im Freien. Davon werden der Einzelne und die Gesellschaft als Ganzes nachhaltig profitieren.

Als wir im Jahr 2005 den Fjällräven Classic in Schweden einführten, bestand das Ziel darin, mehr Leute zum Wandern in die schwedischen Berge zu bewegen. Doch inzwischen geht es um sehr viel mehr. Als immer mehr Leute sich uns angeschlossen haben, merkten wir, dass der Fjällräven Classic die Menschen insgesamt dazu inspirierte, mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Bei der Vorbereitung auf die Strecke wanderten sie durch ihre örtlichen Naturschutzgebiete und Parks. Viele von ihnen fordern ihre Familien und Freunde auf, sie auf ihren Abenteuern zu begleiten. Und letztlich haben sie uns dazu inspiriert, den Fjällräven Classic in weiteren Ländern einzuführen. Was als einfaches Naturerlebnis für Menschen begann, denen die Natur bereits vertraut war, ist zur Inspiration für viele Menschen geworden, mehr Zeit im Freien zu verbringen. „Es ist meine Leidenschaft, andere dazu zu inspirieren, die Natur zu erleben,“ sagt Carl Hård Af Segerstad, Event-Manager des Fjällräven Classic. „Sich in die Natur zu begeben, hat so viele positive Aspekte für jeden Einzelnen und die Gesellschaft. Natürlich eignet es sich hervorragend dazu, körperlich aktiv zu sein, aber es zeigt auch, was im Leben wirklich wichtig ist. Ich glaube, es ist wichtig, die Natur aus erster Hand zu erleben, denn man kann nichts pflegen und bewahren, was man nie selbst erlebt hat.“

Selbstverständlich laden wir dich gerne dazu ein, dich einem unserer Fjällräven Classics anzuschließen, doch deine Reise in die Natur muss nicht gleich mit einer mehrtägigen Wanderung beginnen. Wie die Forschung gezeigt hat, haben bereits 40 Minuten in der Natur sehr positive Auswirkungen. Du musst nur die Haustüre öffnen und rausgehen. Den Rest erledigt die Natur.

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